{"id":6800,"date":"2026-03-17T10:59:05","date_gmt":"2026-03-17T10:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/diana-damrau.com\/?p=6800"},"modified":"2026-03-17T10:59:05","modified_gmt":"2026-03-17T10:59:05","slug":"diana-damrau-im-interview-oper-leidenschaft-und-klassik-am-dom-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diana-damrau.com\/en\/2026\/03\/17\/diana-damrau-im-interview-oper-leidenschaft-und-klassik-am-dom-2026\/","title":{"rendered":"Diana Damrau im Interview: Oper, Leidenschaft und Klassik am Dom 2026"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.oeticket.com\/magazine\/news-stories\/diana-damrau-im-interview-oper-leidenschaft-und-klassik-am-dom-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">oeticket Magazine<\/a><\/p>\n<p>Am 31. Juli 2026 stehen bei Klassik am Dom 2026 zwei der bekanntesten Stimmen der Opernwelt gemeinsam auf der B\u00fchne: Sopranistin Diana Damrau und Tenor Pavol Breslik gestalten mit dem Symphonieorchester der Volksoper Wien unter der Leitung von Pavel Baleff eine Operngala mit dem Titel \u201eAmore! Amore!\u201c. Im Mittelpunkt stehen dabei die vielen Facetten der Liebe \u2013 von zarten ersten Gef\u00fchlen bis hin zu leidenschaftlicher Dramatik.<!--more--><\/p>\n<p>Auf dem Programm stehen bekannte Arien und Duette aus beliebten Opernklassikern, darunter\u00a0<strong>Werke von Verdi, Donizetti, Puccini oder Gounod<\/strong>. Gleichzeitig bleibt der Abend bewusst offen gestaltet: Das endg\u00fcltige Programm stand zur Zeit unseres Gespr\u00e4chs noch nicht vollst\u00e4ndig fest, sodass spontane musikalische \u00dcberraschungen durchaus m\u00f6glich sind. Sicher ist jedoch schon jetzt, dass auch einige deutsche Opern-Schmankerl sp\u00e4testens als Zugabe ihren Weg auf die B\u00fchne finden werden<strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch erkl\u00e4rt\u00a0<strong>Diana Damrau<\/strong>, warum Oper f\u00fcr sie \u201edie menschlichste aller K\u00fcnste\u201c ist, weshalb sie die Zusammenarbeit mit<strong>\u00a0Pavol Breslik<\/strong>\u00a0besonders sch\u00e4tzt und was einen Open-Air-Abend wie Klassik am Dom f\u00fcr K\u00fcnstler:innen und Publikum so besonders macht.<\/p>\n<h4 class=\"\">Was erwartet das Publikum beim Opernabend am 31. Juli bei Klassik am Dom?<\/h4>\n<p>In diesem Programm m\u00f6chten wir alle Facetten der Liebe zeigen \u2013 von der unschuldigen, der loyalen, \u00fcber die toxische Liebe; \u00fcber die Seelenverwandtschaft, das Jubeln, das zu Tode betr\u00fcbt zu sein; die dramatische Begegnung, die Verf\u00fchrung. Das alles werden wir auch auf der B\u00fchne interpretieren und verk\u00f6rpern.<\/p>\n<h4 class=\"\">Auf welches musikalische St\u00fcck oder welche Rolle blicken Sie an diesem Abend besonders gespannt?<\/h4>\n<p>Ich kann&#8217;s nicht sagen. Ich liebe jedes St\u00fcck f\u00fcr sich, jeden Charakter f\u00fcr sich. Als B\u00fchnentier oder S\u00e4nger-Darsteller ist es toll, wenn man von der\u00a0<i>Gretel\u00a0<\/i>bis\u00a0<i>Old Woman \/ Drunken Woman<\/i>\u00a0\u00fcber die\u00a0<i>K\u00f6nigin der Nacht<\/i>,<i>\u00a0Lucia di Lammermoor<\/i>\u00a0bis zur\u00a0<i>Marschallin\u00a0<\/i>vom\u00a0<i>Rosenkavalier<\/i>\u00a0wechseln kann \u2013 das ist so ein unglaubliches Spektrum und es verlangt jedes Mal eine andere K\u00f6rperlichkeit. Wir sind K\u00f6rper-Instrumente. Die Stimme bleibt immer die gleiche, aber ich muss mich nat\u00fcrlich dem Stil, der Sprache und den musikalischen Erfordernissen anpassen.<strong>\u00a0<\/strong>Das dann auf der B\u00fchne umzusetzen und das Publikum mit in die Geschichte dieses jeweiligen Menschen und in die Situation zu ziehen und die Atmosph\u00e4re sp\u00fcren zu lassen \u2013 darum geht&#8217;s mir. Dass die Musik, das gro\u00dfe Geschenk, das uns unsere Komponisten gegeben haben, sich in voller Wirkung entfalten kann.<\/p>\n<h4 class=\"\">Sie stehen auch gemeinsam mit Pavol Breslik auf der B\u00fchne. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?<\/h4>\n<p>Ich freue mich besonders auf die Duette von <i>La Boh\u00e8me, Manon<\/i> und\u00a0<i>Rigoletto<\/i>!<strong>\u00a0Pavol Breslik<\/strong>\u00a0und ich kennen uns schon sehr lange und haben von der\u00a0<i>Zauberfl\u00f6te<\/i> \u00fcber <i>Liebestrank<\/i>,\u00a0<i>Lucia di Lammermoor, Capriccio, Arabella<\/i>\u00a0sehr viel miteinander musiziert und kennen uns gut. Er ist jemand, der in verschiedenste Pers\u00f6nlichkeiten hineinschl\u00fcpfen kann. Das ist sehr wichtig, da es in dem Programm nicht nurdarum geht, dass man sch\u00f6ne, wunderbare, bekannte, ikonische Opernmelodien und Duette h\u00f6rt, sondern wir wollen wirklich in das Spektrum der Liebe tief eintauchen \u2013 genauso, wie es die Komponisten auch getan haben. Das soll man h\u00f6ren und sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4 class=\"\">Was hat ein Open-Air-Konzert wie Klassik am Dom f\u00fcr einen besonderen Reiz f\u00fcr Sie?<\/h4>\n<p>Es ist etwas ganz anderes, weil man drau\u00dfen in der Natur ist und eine andere Atmosph\u00e4re hat. Nat\u00fcrlich auch andere akustische Verh\u00e4ltnisse, aber es ist doch etwas Nat\u00fcrlicheres und Unmittelbareres f\u00fcr den K\u00fcnstler. Wenn man von den glitzernden Sternen singt, es wirklich Nacht ist und man den Sternenhimmel \u00fcber sich hat; oder das besungene L\u00fcftchen, wirklich sp\u00fcrt, das ist Inspirierend f\u00fcr alle und nat\u00fcrlich. Sch\u00f6n ist auch, dass die Kamera uns manchmal ganz nah heranholt \u2013 das hat man in der Oper im Opernsaal so nicht. Da kann man wirklich hineinzoomen und den K\u00fcnstler aus n\u00e4chster N\u00e4he erleben, was das Live-Erlebnis noch intensiver macht. Und das alles mit einem sch\u00f6nen, eing\u00e4ngigen, aber zugleich tiefgr\u00fcndigen Programm. Genau das war mein Ziel.<\/p>\n<h4 class=\"\">Weil Sie die Marschallin vom Rosenkavalier erw\u00e4hnt haben: Es ist ja eine Rolle, die viel Reife verlangt. Gibt es Rollen, auf die Sie sich im Laufe Ihrer Karriere bewusst hinentwickelt haben?<\/h4>\n<p>Wie sagt die\u00a0<i>Marschallin<\/i>: \u201eJedes Ding hat seine Zeit\u201c. Ich muss mich immer an meinem Instrument orientieren \u2013 was mein K\u00f6rper, meine Stimme und meine technischen F\u00e4higkeiten in dem Moment zulassen. Es ist immer auch eine Momentaufnahme, nat\u00fcrlich mit Perspektive, klar \u2013 ich bin Koloratursopran und habe nat\u00fcrlich die leichteren Rollen am Anfang gesungen.<\/p>\n<p>Mein Wunschtraum war, irgendwann<i>\u00a0La Traviata<\/i>\u00a0singen zu k\u00f6nnen. Und das hat mir meine Lehrerin best\u00e4tigt. Nat\u00fcrlich nicht im Alter von 24 Jahren \u2013 man muss dahin wachsen und es gibt so viel wunderbares Repertoire, das man davor singen sollte. Als S\u00e4nger steckt man immer in einer Entwicklung: pers\u00f6nlich, stimmlich, k\u00f6rperlich und k\u00fcnstlerisch. Beim Singen wird alles eins. Man kann den K\u00f6rper nicht forcieren. Es kommt auch viel Gl\u00fcck dazu und nat\u00fcrlich stetige Arbeit und in sich hineinh\u00f6ren und an sich arbeiten.<\/p>\n<p>Ich mische auch immer gerne. Ich mache Kirchenkonzerte genauso wie Opernkonzerte, genauso auch Liederabende und Kammermusik. Ich bin jemand, der neugierig ist und ich lass mich nicht gerne in Schubladen stecken. Die\u00a0<i>Marschallin\u00a0<\/i>ist nat\u00fcrlich ein Eckpfeiler \u2013 da gibt es verschiedene Traditionen. Man kann das mit einer ganz gro\u00dfen Stimme besetzen, wie aber auch mit einer Stimme, die in Richtung Elisabeth Schwarzkopf geht.<\/p>\n<h4 class=\"\">Gibt es sonst eine Pers\u00f6nlichkeit in der Oper, die Sie besonders mitgenommen hat?<\/h4>\n<p>Es sind alle! Mit jedem Charakter muss ich mich ganz genau auseinandersetzen.\u00a0Jede Figur ist komplex. Der Wunsch, Operns\u00e4ngerin zu werden, hat bei mir aber mit\u00a0<i>La Traviata<\/i>\u00a0von Verdi begonnen \u2013 genauer gesagt mit der Filmversion. Als ich zw\u00f6lf Jahre alt war, habe ich sie im Fernsehen gesehen und dachte zuerst: \u201eUi, das ist ein Ballett.\u201c Es war wundersch\u00f6n \u2013 Teresa Stratas als\u00a0<i>Violetta Val\u00e9ry<\/i>\u00a0in\u00a0<i>La Traviata<\/i>. Ich wartete darauf, dass sie gleich zu tanzen beginnt. Aber sie sang. Und ich dachte: \u201cWas ist das denn?\u201d Nat\u00fcrlich wusste ich, was Oper ist \u2013 mein Opa h\u00f6rte Wagner \u2013 aber das hier war etwas ganz anderes. Singen und Schauspiel zugleich.<\/p>\n<p>Und dann diese Geschichte:\u00a0<i>Violetta<\/i>, die Kurtisane, die aus dieser patriarchalischen Gesellschaft eigentlich nicht ausbrechen kann, es aber auf ihre Weise doch tut. Sie verschafft sich Bildung, wird Kurtisane, lebt gewisserma\u00dfen Freiheit, wie ein Mann \u2013 wird daf\u00fcr aber nat\u00fcrlich nicht akzeptiert. Sie nimmt sich ihre Rechte und ihre Freuden. Dann dieses Schicksal und ihre gro\u00dfe Liebe, die sie zul\u00e4sst, obwohl sie wei\u00df, dass sie wegen ihrer Tuberkulosekrankheit sterben wird. Das ist schon eine sehr komplexe Figur. Und die Musik dazu. Ab dem zweiten Akt habe ich nur noch geweint. Und danach habe ich mir gedacht: \u201eDas ist das Sch\u00f6nste, was Menschen schaffen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"\">Viele Menschen erleben Oper vielleicht zum ersten Mal bei einem Open-Air-Konzert. Was w\u00fcrden Sie jemandem sagen, der noch nie eine Oper geh\u00f6rt hat?<\/h4>\n<p>Oper ist die menschlichste aller K\u00fcnste \u2013 wir haben unser K\u00f6rperinstrument, aber auch den Text und das Schauspiel. Was das Besondere ist: Es ist live gesungen und gespielt. Wir haben ein Orchester und wir sind international. Aber wortlos versteht man sich in der Musik. Es gibt f\u00fcr jeden was in dem Programm \u2013 f\u00fcr Opernfans genauso wie f\u00fcr Opern-Newcomer. Es ist vor allem Musik, die wirklich ins Herz geht und uns alle dann befl\u00fcgelt, an dem Abend in die H\u00f6hen und Untiefen der Liebe einzutauchen. Oper ist auch nicht irgendwas, vor dem man Angst haben muss \u2013 dass es \u201czu hohe\u201d Kultur und Kunst ist und es kein Laie versteht. Man versteht&#8217;s \u2013 mit dem Herzen.<\/p>\n<p>Man sollte sich jedenfalls darauf einlassen \u2013 vor allem auf das, was faszinierend ist: was die menschliche Stimme und der K\u00f6rper alles kann. Das merkt man nat\u00fcrlich viel mehr im Operhaus selbst. Man sp\u00fcrt die Vibrationen, man merkt, sie machen das ohne Mikrofon und das hat mich einfach immer schon fasziniert: Wie kriege ich solche T\u00f6ne, die \u00fcber ein 80-k\u00f6pfiges Orchester mit Chor noch dr\u00fcber kommen m\u00fcssen, aus meinem K\u00f6rper raus und danach noch f\u00e4hig sein kann, zu sprechen. Allein schon das war und ist ein Faszinosum f\u00fcr mich und ich wollte das lernen, weil ich die Musik liebe.<\/p>\n<p>Ich finde es immer wieder aufs Neue spannend, diese Verbindungen aufzubauen mit dem Orchester, mit dem Dirigenten, mit den Kollegen und da aus dem Moment etwas gemeinsam zu schaffen, was auch noch harmonisch ist \u2013 das ist das, was die Welt eigentlich braucht. Also ich denke, Politiker sollten sich alle mal ins Orchester setzen oder im Chor gemeinsam singen.<\/p>\n<h4 class=\"\">Sie haben in New York, Wien, Mailand, M\u00fcnchen gesungen. Gibt es dennoch Momente auf der B\u00fchne, in denen Sie Lampenfieber bekommen?<\/h4>\n<p>Ich denke, ein gewisser Grad an Lampenfieber ist sogar gesund und wichtig. Wenn man auf die B\u00fchne geht und nur abliefert, sp\u00fcrt es jeder. Es muss die Leidenschaft da sein. Also f\u00fcr mich: Wenn ich merke, ich gehe auf die B\u00fchne und arbeite nur noch mein Programm ab, dann wird es Zeit, dass ich aufh\u00f6re.<\/p>\n<h4 class=\"\">K\u00fcrzlich sorgte eine Aussage des US-Schauspielers Timoth\u00e9e Chalamet f\u00fcr Diskussionen. Er meinte, traditionelle K\u00fcnste wie Oper oder Ballett w\u00fcrden heute kaum noch jemanden interessieren. Wie sehen Sie das?<\/h4>\n<p>Also ich kann nur eine Lanze brechen f\u00fcr die Oper, weil die Oper Menschheitsgeschichte ist. Das ist Zeitgeschichte, Literatur, Hochsprache \u2013 alles ist verfeinert. In unserer Zeit hingegen ist alles nur noch laut, bunt und schnell. Und das ist eben genau das, was wir zu verlieren drohen und daf\u00fcr m\u00fcssen wir k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Man muss sich dessen bewusst sein, in welche Spektren man mit der Sprache gehen kann. Heutzutage wird alles nur noch irgendwie nivelliert und vereinfacht; und am Schluss kann man nicht mehr kommunizieren. Oper, Tanz, Schauspiel ist pure Kommunikation, auch mit dem Publikum, mit dem Innern unserer Seele. Und Musik ist Medizin und die Vereinigung aller K\u00fcnste, die Vereinigung von allem, was der Mensch geschaffen hat und schaffen kann und was im Menschen und K\u00f6rper m\u00f6glich ist. Und das ist nicht schwierig und eine Randerscheinung, sondern das ist der Kern unserer Menschheit. Punkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oeticket Magazine Am 31. 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