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Foto: Pressestelle Opernhaus Zürich | Matthias Baus

Matthias Schulz, Zürichs neuer Opernintendant, will dem Publikum vermitteln, wie eine Opernproduktion entsteht. Zur „Rosenkavalier“-Premiere fand daher eine Preview statt: mit einem Talk unter anderem mit Sopranistin Diana Damrau.

Der Umbau vom ersten zum zweiten Akt ist bei dieser Inszenierung des „Rosenkavaliers“ aufwendig. Rund 100 Besucherinnen und Besucher schauen aus den Logen dabei zu, wie eine überdimensionale Wendeltreppe in der Mitte der Bühne platziert wird. Hoch oben an den Seiten gehen Balustraden ab. So kann sich Hugo von Hoffmannstahls melancholische Verwechslungskomödie nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich auf unterschiedlichen Ebenen abspielen.

Dramaturgin Kathrin Brunner findet es gut, dass das Publikum an diesem Vormittag, das Entstehen einer Opernproduktion mitverfolgen kann: „Es ist auch wertvoll zu wissen, wieviel Arbeit hinter so einer Aufführung steckt. Was es alles braucht, dass alles zusammenkommt in einer Oper. Oper ist ja ein Gesamtkunstwerk. Und jeder einzelne Beteiligte, jede einzelne Beteiligte an dieser Oper ist wichtig.“

Opernstars beim Proben zusehen

Dirigentin Joana Mallwitz läuft in Jeans und T-Shirt in den Orchestergraben. Sie gehört derzeit zu den international gefragtesten Dirigentinnen. Vom Pult aus gibt sie noch ein paar musikalische Impulse und die Probe läuft weiter.

Schnell sieht und hört man, dass auch auf der Bühne die Wiener Hofgesellschaft dieses „Rosenkavaliers“ in Startbesetzung auftritt. Unter Ihnen Diana Damrau als Feldmarschallin oder Günther Groissböck als Baron Ochs.

Regisseurin Steier: „Ich freue mich jeden Tag in die Proben zu gehen mit dieser Truppe.“

Dann ist Pause für die Akteure. Und für das Publikum geht es in den prächtigen neobarocken Spiegelsaal. Hier gibt es einen Talk mit Regisseurin Lydia Steier, sie inszeniert die Produktion. Und obwohl die amerikanische Opernregisseurin an wirklich allen großen Häusern arbeitet, scheint Zürich es ihr besonders angetan zu haben.

Es sei eine große Ehre, hier inszenieren zu dürfen, sagt sie – eine Begeisterung, die man ihr in ihrer authentischen Art abnimmt.

„Ich freue mich jeden Tag in die Proben zu gehen mit dieser Truppe. Und das ist nicht bei jeder Produktion so“, verrät die Regisseurin. „Es gibt eine ungewöhnliche Arglosigkeit in den Proben zwischen den Menschen, die natürlich alle ein sehr hohes Niveau mitbringen. Aber das mit einer Art von Engagement und Humor. Das ist eine pure Freude.“

Lydia Steier schildert, wie herausfordernd es ist, eine Komödie in dieser Größenordnung zu inszenieren. Takt für Takt müssen Positionen und Ausdruck der Sängerinnen und Sänger wechseln, sonst geht der Witz verloren: Es sei hier fast die komplizierteste und detailreichste Opernarbeit, der sie je begegnet sei, so Steier. „Du kannst hier nicht sechs Minuten lang ‚der Musik vertrauen‘, wie etwa bei Wagner.“

Diana Damrau im Talk über die Rolle als Feldmarschallin

Dann eilt Diana Damrau, gerade noch auf der Bühne mit anspruchsvollster Sopranpartie zu hören, voller Energie zum Publikumstalk herbei. Und gibt tiefe Einblicke über ihr Empfinden beim Verkörpern der Feldmarschallin: „Ihre Größe als Frau und ihre Art der Reflexion mit der Musik zu durchleben, das haut mich jedes Mal um“, verrät die Star-Sopranistin.

Eher aus dem Hintergrund beobachtet Matthias Schulz der neue Intendant des Opernhauses das Geschehen. Eine Begrüßung hier, ein kurzer Plausch dort. Ihm war wichtig, gleich zum Start seiner ersten Spielzeit dieses neue Preview-Format anzubieten.

„Man sieht immer nur das fertige Endprodukt auf der Bühne, wo alles so perfekt ist. Und bei der Oper ist eben so viel Leben dahinter“, erklärt der Intendant. „Bei einem solchen Format können wir das spürbar machen. Dass wir an einem Entstehungsprozess teilhaben lassen, wenn auch manche Dinge noch nicht fertig sind.“